Das Leben ist ein Geschenk.

Das Leben ist ein Geschenk.

Das Leben ist ein Geschenk

 

Es kommt uns häufig nicht so vor, aber es ist so: das Leben ist ein Geschenk. Nicht immer das, was wir uns gerade wünschen. Und gerade, wenn uns Schicksalsschläge treffen wie Finanznöte, Liebeskummer, Depressionen, Krankheiten, Kündigungen, Streit, Trennungen, Existenzängste, Verluste, andere tiefgreifende Schicksalsschläge… die Reihe kann verflucht lang sein, empfinden wir das Leben alles andere als ein Geschenk. Umtauschen können wir es allerdings nicht. Nur verändern. Und es wird (fast) immer an uns liegen, das zu tun.

Und  noch etwas können wir nicht umtauschen. Uns. Wir müssen, können, dürfen, sollen mit unserem „Ich“ leben. In unserer Haut stecken wir nun einmal. Also wäre es besser, mit dem „Ich“ achtsam, sorgsam und liebevoll umzugehen. Denn entrinnen können wir uns nicht. Weder in guten noch in schlechten Zeiten.

 

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt“, erklärt Forrest Gump im gleichnamigen Film seinen Mitmenschen, die neben ihm auf einer Bank sitzen, und wie er auf den Bus warten.

Auch wenn du nicht weißt, welche Pralinen in der Schachtel sind: Pralinen sind meist süß. Also versuch dir das Leben lebenswert zu machen und reicher an guten Erfahrungen und Momenten als an Schlechten. Und sei mit dir zu zufrieden. Und wenn nicht? Änderungen beginnen im Kopf. In deinem!
Wenn du von innen heraus strahlst, wenn du in dir ruhst, wenn du authentisch und bei dir bist – dann bist du gewappnet und auch zufrieden. Damit lässt es sich viel leichter durchs Leben gehen, auch wenn es nicht so gut läuft.

Mir hilft es, mir im Spiegel auch mal zuzulächeln. Nein, keine Grimasse, sondern ein freundliches Lächeln.

Und wenn dir kein anderer ein Kompliment macht, mach dir selbst einsJ- und sei es über die Augenringe am Morgen. Gerne stelle ich mich auch auf die Zehenspitzen, mach mich groß auch wenn ich mich klein fühle, gehe ein paar Schritte, recke und strecke mich, drücke die Schultern runter. Das fühlt sich gut an.

Auf unseren Schultern lastet viel als Mutter, Frau, Geliebten, Arbeitenden, Einkaufenden, Organisierenden, Hausaufgabenbetreuenden, Chauffeurin, Krankenpflegenden, etc.

 

Vergiss dabei aber dich nicht!

Und wenn es nur fünf Minuten am Tag sind.

Wenn die Sonne scheint, bleib doch kurz stehen und genieße die Wärme auf dem Gesicht.

Oder, wenn du dein Auto schon geparkt hast, aber dein Lieblingslied kommt im Radio, bleib doch vielleicht sitzen und sing mit.

Oder du steigst aus der Straßenbahn mit deinem Kind und ihr habt beide noch keine Lust auf die Hausaufgabenzeit. Eine Runde um den Block wirkt Wunder.

Fühlst du dich schlapp, ohne Energie. Dann brauchst du die fünf Minuten ganz dringend. Und wenn du nur die Augen schließt, tief durch die Nase in den Bauch einatmest, Sauerstoff in deinen Körper „lässst“, den Atem kurz anhältst und alle Luft durch den Mund ausatmest. Drei mal mindestens.

 

Denn du bist ein Geschenk – an dich selber.

„Ja klar. Tolles Geschenk bin ich. Ich kann nichts, hab nichts, bin talentfrei. Ich habe nichts Außergewöhnliches an mir. Könnte ich doch fliegen wie ein Vogel.“

Könnte der Vogel reden, würde er sagen, das Fliegen das Normalste der Welt für ihn sei. Er wurde mit diesem Talent geboren.

Wir alle haben Talente, aber da sie für uns so normal geworden sind, finden wir sie nicht mehr außergewöhnlich. Wir sind so daran gewöhnt, gut zu organisieren, lecker zu backen, gut zu reden, zu frisieren, zu laufen, zu singen, Witze zu erzählen, andere aufzuheitern, unsere Arbeit zu verrichten, Sprachen zu sprechen, gut zuhören zu können, zu stricken, Ideen umzusetzen, etc., dass wir das besondere daran nicht mehr sehen.

 

Zähl doch einfach mal drei deiner Talente auf. Drei findest du immer.

Für dein Talent bekommst du nicht immer Geld, aber je nachdem Anerkennung, Wertschätzung, manchmal auch nur ein Lächeln – aber das kann die Welt bedeuten.

Vielleicht hast du Manches noch gar nicht ausprobiert und weißt gar nicht um dieses Talent.

Als kleiner Junge musste Forrest Gump aufgrund eines Wirbelsäulenproblems Beinschienen tragen. Damit wurde er zum gefundenen Fressen für Hänseleien und Spott. Als ihn einmal Mitschüler auf dem Fahrrad verfolgten, rannte Forrest vor ihnen davon, verlor dabei seine Beinschienen und merkte, dass er sie gar nicht brauchte. Im Gegenteil, er stellte fest, dass er ein absolut schneller Läufer war. Ein bis dahin unentdecktes Talent!

Zugegeben, du solltest nicht auf so eine Weise dein Talent entdecken. Aber vielleicht gibt es ja was, das du schon immer ausprobieren wolltest.

Wenn du schon immer mal reiten wolltest, warum lässt du dir nicht eine Reitstunde zum Geburtstag schenken!

Wenn du schon immer wissen wolltest, ob du vielleicht handwerklich begabt bist und du wohnst in einer Stadt: überall entstehen kleine Handwerker-, Fahrradwerkstätten, Läden, in denen du elektrische Geräte reparieren kannst. Schneidereien bieten Nähkurse an, Holzwerkstätten Workshops, etc.

Wolltest du schon immer mal deine Gedichte vortragen oder Geschichten schreiben? Es gibt Autorengruppen, Lesekreise.

Wenn du schon immer Tango tanzen lernen wolltest oder Swing. Es gibt Schnupperkurse. Und ja, man kann da auch alleine hingehen.

Wolltest du schon immer italienisch lernen? Wir wäre es mit der Volkshochschule, einem Buch mit CD, Onlinekursen?

 

Es gibt eigentlich keine Ausreden.

Ein mögliches Talent entdeckst du nur, wenn du es ausprobierst.

Vielleicht ist Talent nicht bei jedem Beispiel das richtige Wort. Manchmal ist es mehr, sich einen Traum erfüllen, sich selbst verwirklichen. Auf jeden Fall ist es, Zeit für sich nehmen – neben den Pflichten des Alltags.

Damit bereicherst du dich selbst. Machst dir ein Geschenk!

Und merkst wieder einmal, das Leben ist ein Geschenk.

Weihnachten eilt in großen Schritten herbei …

Weihnachten eilt in großen Schritten herbei …

Weihnachten eilt in großen Schritten herbei und damit eine der liebsten Beschäftigungen der Adventszeit:

Plätzchen backen.

Teig naschen, den wundervollen Duft überall in der Wohnung und im Haus riechen, etwas gemeinsam mit den Kindern machen ….. aufräumen. Ups! Aufräumen? Ja, auch das gehört dazu: Das Mehl aus den letzten Ritzen kratzen, angetrocknete Teigreste vom Nudelholz entfernen und mit einem Glasschieber vorsichtig die Arbeitsplatte säubern. Häufig stehst du am Ende alleine in der Küche. Und du hast „nur“ zwei Sorten Plätzchen gebacken.

Wie wäre es, sich die Freude und die Arbeit zu teilen?

 

Was wir im Freundeskreis seit Jahren machen, um „mehr“ verschiedene Plätzchensorten zu backen, Zeit miteinander zu verbringen, gemeinsam zu erzählen und zu lachen, ist ein gemeinsamer „Plätzchenbacktag“. Bei uns ist er am ersten Adventwochenende und mittlerweile lieb gewordene Tradition. Und jede Küche ist mal „dran“.

Wir teilen  uns die Plätzchenteige auf und bringen sie mit. Mindestens zwei Rezepte bereiten wir aber „vor Ort“ zu, damit die Kinder spätestens hier, den gesamten Vorgang rund ums Plätzchenbacken kennenlernen.

In unsern Buch findest du unserer Backrezepte – von nur zwei bis drei Zutaten, von  zuckerfrei über vegan bis hin zu den zumindest für uns einfach unverzichtbaren Klassikern an Weihnachten.

Exklusiv heute für dich: schwedische Zimtschnecken

Eigentlich müsste hier das Rezept für Zimtsterne – das typische Weihnachtsplätzchen – stehen, aber die schwedischen Zimtschnecken haben seit Erscheinen unseres europäischen Kinderkochbuchs „Kleine Sterne Köche“ im Jahr 2008 die Zimtsterne zu Weihnachten verdrängt.

Sie sind keine klassischen Plätzchen aber einfach ein Muss zur Adventszeit und am 21. September jeden Jahres.

 

Unser Rezept

Für ca. 6080Stück (sehr größenabhängig)

 

Was du brauchst

Für den Teig

150 g Butter

½ L Milch

50 g frische Hefe

1 kg Weizenmehl

150 g Zucker

1 Ei

1TL Salz

1TL gemahlener Kardamom

Butter zum Einfetten

 

Für die Füllung

150 g Butter

200 g Zucker

4 RL Zimt

 

Außerdem

1 Ei

2 EL Wasser

Hagelzucker

 

So wird’s gemacht

 

  1. Butter in einem Topf zerlassen, Milch dazugeben, lauwarm werden lassen.
  2. Die Hefe dazugeben und langsam auflösen.
  3. Mehl, Zucker, Ei, Salz und Kardamom hinzufügen und zu einem geschmeidigen Teig mit dem Knethaken verkneten (evtl. noch etwas Mehl hinzufügen).
  4. Den Teig abgedeckt bei Zimmertemperatur ca. 30-40 Minuten gehen lassen.
  5. Für die Füllung die weiche Butter mit Zucker und Zimt verrühren.
  6. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit bemehltem Nudelholz dünn ausrollen und mit der Füllung komplett bestreichen. (Für große Zimtschnecken kann der ausgerollte Teig breit sein, für Plätzchen nicht breiter als 10 cm.)
  7. Den Teig zu einer Rolle rollen und in gleiche Teile schneiden.
  8. Scheiben mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und abgedeckt nochmal ca. 30-40 Minuten gehen lassen.
  9. Stell den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze.
  10. Ei und Wasser verquirlen und die Zimtschnecken damit bestreichen. Mit Hagelzucker bestreuen.
  11. Ca. 8 min. im vorgeheizten Backofen backen.
  12. Die Schnecken gut unter einem Handtuch auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

 

Viele Spaß!

 

 

 

Recherche-Reise zu den Suppen Andalusien Teil 3

Recherche-Reise zu den Suppen Andalusien Teil 3

Sonntag ist Markttag!

Es ist Sonntag. Die Sonne scheint bei strahlend blauem Himmel warm auf mein Gesicht. Eine leichte Brise weht vom Meer herüber. Ich schaue über eine liebliche Hügellandschaft hinüber zum Mittelmeer. Wir sind gestern Abend spät in der Küstenstadt Estepona angkommen, nach 1000 Kilometern und 12 Stunden Fahrt. Jetzt belohnt uns der Blick hinüber zu den Säulen des Herakles. Gemeint damit sind die Felsenberge, die die Straße von Gibraltar begrenzen – das britische Gibraltar und der Gebirgszug mit dem Dschebel Musa, dem großen Berg auf marokkanischer Seite. Herakles soll an den Felsen mit dem Spruch „Non plus ultra“ (nicht mehr weiter) das Ende der bewohnten Welt markiert haben. In der Antike glaubte man, daß danach nur noch das geheimnisvolle Atlantis liegen würde, daher der Name Atantik. Der Blick auf zweit Kontinente ist atemberaubend.
Den ganzen Tag gestern sind wir an Landschaften vorbeigerast, karge Berge, weite Täler und das Meer immer auf der linken Seite. Städte mit großen Namen wie Valencia, Murca, Alicante und Granada. Spanien ist ein weites, großes und beeinruckendes Land. Eines Tages müßte man sich Zeit nehmen, alles in Ruhe anzuschauen. Das letzte Stück der Fahrt durch die Sierra Nevada war dunkel, regnerisch, und Nebel kam auf, doch der nächtliche Blick auf das goldene Lichtermeer von Malaga hatte uns dann reichlich belohnt. 

Heute ist Sonntag, das bedeutet hier: Markttag! Wir beginnen unsere Recherche auf den Märkten der Umgebung. Los geht es in dem kleinen Ort Sabinillas. Der Markt ist so groß wie zwei Fußballfelder, die Hälfte ist für Parkplätze reserviert. Ein Stand reiht sich an den anderen, bunt und laut, manchmal sind es nur ein Tisch und eine Waage, da ein Zelt, dort ein Kleintransporter mit vorgebautem Dach, oder einfach eine Decke. Von Haushaltströdel mit marokkanischen Teppichen, Körben und Lampen, über Taschen, Gürtel, Handyzubehör, Spielzeug bis hin zu einer riesigen Auswahl an Lebensmitteln. Gerade aus diesem Grunde sind wir hier. Kleine Stände von regionalen Anbietern mit saisonaler frischer Ware. Wir sind überwältigt, nicht nur von der Vielfalt, auch von den Preisen. Apfelsinen, Mandarinen süß und saftig, von der Sonne verwöhnt für 1 Euro pro Kilo, da kann man gar nicht so viel essen, wie man möchte. Überhaupt wird alles in Kilo angeboten, auch Mangos, Erdbeeren, Avocados, Zitronen 2 Kilo 1,50 Euro und so weiter. Wir als „100 Gramm-Deutsche“, die scheinbar alles viel zu teuer bezahlen müssen, geraten stark ins Nachdenken. 
Wir schieben uns durch die Reihen. Oliven, Brot, Gewürze, Knoblauch, Öle, Wein, Honig. Wir entdecken einen kleinen Stand, an dem zwei Frauen Käse anbieten. Queso de cabra – Ziegenkäse aller Art, frisch oder gereift mit Kräutern oder weich, so ein Zwischending von Camembert und Mozarella, kräftig, gehaltvoll und zum Niederknien lecker. Die Ziegen, denen wir diese Köstlichkeiten verdanken, werden wir in den nächsten Tagen noch persönlich kennenlernen, aber das wissen wir heute noch nicht. Meine Augen laben sich an frisch geernteten großen Spinatblättern, Mangold, roten Beete, Pimientos. Wir kaufen unser erstes Pan de Casares (Brot aus Casares), Käse, Eier. Und wir nehmen auch noch eine ganze Karafita Aceitunas (Oliven) mit, die uns der freundliche und attraktive junge Mann für ein unglaublich günstigen Preis aus den großen Fässern in die Kanne schöpft. Am Ende unseres Rundgangs müssen wir noch an die Erdbeeren denken, die wir heute brauchen für unsere „Gaspacho de fresas“, es ist immerhin zur Zeit Erdbeerernte in Andalusien! Dieser Markt ist positiver Stress!

Nach Benahavis, zu unserem zweiten Markt heute, fahren wir auf der Küstenautobahn, der berühmten A7 mit ihren berüchtigten kurzen Auf – und Abfahrten. Das strahlende blaue Meer immer zur rechten, Palmen säumen die Straßen, im Radio läuft „Una lady como tu“ von Manuel Torizo. Gut, daß Ines fährt, denn bei der Musik kann ich nicht ruhig sitzen, mitgrooven ist angesagt. Für Euch zum Mitmachen: https://www.youtube.com/watch?v=VYtJAuoZxcc

Auf diesem Markt am Waldesrand vor den Bergen kann man gut und gern den ganzen Sonntag verbringen. Der große Parkplatz ist brechend voll, die ersten fliegenden Händler mit Tüten voll von Ajo (Knoblauch) kommen uns rufend entgegen. Antiquarisches, Second Hand, Obst, Gemüse, Technik, Hüte, Kleider, Bücher, Uhren, Kaffee und Kuchen, Gegrilltes. Wir stürzen uns in den Trubel. Die Obst- und Gemüsestände sind ein Traum. Als Kunde wird man umgarnt, kann kosten. Gut, daß Ines fließend spanisch spricht, da können wir viel fragen, handeln und quatschen. Wir kaufen uns echte Plátanos, die aromatischen „Bananen“ von den Kanaren, lecker! Wir brauchen noch Tomaten und Mangold für unsere Suppen, die wir heute Abend hier vor Ort nachkochen wollen. Potaje de Vigilia, eine vegetarische Fastensuppe mit oder ohne Fisch und die Tomaten für die Salmorejo Cordobés, eine kalte, dickflüssige Suppe ähnlich der bekannten Gazpacho, die aus der Region um Córdoba  stammt.
An einem der Stände lernen wir Conchita kennen, sie kommt ursprünglich aus Bolivien und managt ihren Stand mit einem lauten und fröhlichen Lachen. Wir erfahren, daß sie mit Ihrem Mann zusammen hier in der Nähe einen ökologischen Gemüseanbau betreibt. Wir kaufen reichlich Salate ein und natürlich ein riesiges Bund frischen knackigen Mangold für 1 Euro versteht sich „Kommt doch einmal bei uns auf dem Hof vorbei“ sagt Conchita und wir verabreden uns gleich für die nächsten Tage auf ihrem Feld.
Später bleiben wir dann noch lange und ganz entspannt sitzen bei Cafe solo und Gebäck an einem der Freisitze,  schwatzen, planen und beobachten die Leute. Herrlich. 20 Grad, neue Sonnenbrille, Februar!
Eure Karin

PS. Die Suppen sind köstlich und kommen defintiv in unser Buch!
Recherche-Reise zu den Suppen Andalusien Teil 2

Recherche-Reise zu den Suppen Andalusien Teil 2

Tag 2 – Halt bei den Calçots – ein kulinarisches Fest

Leises Klappern ist aus der Küche zu hören, für Frühstück ist es leider noch zu zeitig, als wir in der Frühe nach ein paar Stunden Tiefschlaf unser Hotelzimmer verlassen… Mitten im Flur steht ein Stuhl und auf diesem eingerollt, zufrieden und tief schlafend liegt eine schwarz-weiße Katze und schnurrt leise vor sich hin. Auf Zehenspitzen gehen wir an ihr vorbei und gönnen ihr den Schlaf, den wir abgebrochen haben. 

In der nächsten Raststätte sind wir mit die Ersten, die Putzfrauen gehen sogar noch durch die Räume. Eine große schöne Kaffeemaschine und das lächelnde Fräulein hinterm Tresen bereitet Karin einen duftenden braunen schaumigen Espresso zu und mir einen Café au lait anstelle meines üblichen Cappuccino. Für Karin gibt es dazu eins der köstlichsten Croissants der Welt. Warm, weich, süß, himmlisch – wie sie sagt. Mir selbst ist es nach einem Ziegenkäsebaguette, das ich mir mitnehme. Merci, merci, merci!  Dann machen wir uns endgültig auf gen Spanien. 450 km und 5 Stunden Fahrt. Ein Katzensprung im Vergleich zu gestern. 
Straßenschilder mit Ortsnamen wie Nimes, Avignon und Aix-en-Provence fliegen an uns vorbei. 

Bei Montpellier geht die Sonne über dem Meer auf und macht uns glauben, dass sie es in dieser Schönheit heute nur für uns tut. Links das glänzende Meer und rechts die schneebedeckten Berggipfel der Pyrenäen. Was für ein Morgen! 

Die Autobahn ist leer und gut ausgebaut. Eine Freude, auf ihr zu fahren. Man zahlt dafür und zahlt es gern. Als wir über die Grenze nach Spanien fahren, bin ich wie immer begeistert, dass wir einfach „so“ rüberfahren können. Keine Pässe zeigen, keine Kontrollen. Entlang der Costa Brava und damit Cadaques, Roses, Empuriabrava, L´Escala, Palamòs, Tossa de Mar – Orten, die nach Urlaub, Sommer und Meer – klingen, nehmen wir nicht die Strasse gen Lloret de Mar, sondern fahren ins Landesinnere.

Wer Katalonien nur von der Küsten her kennt, verpasst ungeahnte Perlen wie z.B. die Stadt Girona, den gesägten Berg (Montserrat) oder Naturparks wie das von der UNESCO ausgezeichnete  Biospährenreservat  Montseny. Heute sind wir aber nicht wegen der Landschaften da, sondern werden in Sils schon von meiner Freundin Loreto sehnsüchtig erwartet

Nach einem ausgiebigen Hallo und vielen Umarmungen, fahren wir weiter ins Landesinnere, erst über asphaltierte Strassen, dann über einen Waldweg und sind plötzlich da: in Bescanó in einem alten Landhaus und dürfen an einem wahren kulinarischen Genuss teilnehmen: einer Calçotada, dem traditionelem Fest der ersten Zwiebelernte. Es ist meine erste, obwohl ich diesen Landstrich schon so viele Jahre bereise. Aber ich war noch nie im Februar da und habe Rauhreif auf den Feldern und Wiesen gesehen. Jetzt in der Mittagssonne sind es wunderbare 16 Grad. 

Und dann beginnt das Fest und wir lassen uns ein auf dieses für diese Jahreszeit so typische Gericht. 

Die Calçots sind vom Aussehen her eine Mischung zwischen Frühlingszwiebeln und dünnem Porree, schmecken leicht süß und überhaupt nicht „zwiebelig“. Gegrillt sind sie weich und zart. Sie zu essen ist eine unglaubliche Schweinerei, da die calçots über dem offenen Feuer gegrillt werden und voller Ruß und damit schwarz sind. Mit bloßen Händen wird die äußere Hülle abgezogen, die Calçot in diese umwerfende Salvitxada, eine Sauce aus gerösteten Mandeln und Haselnüssen, gerösteten und rohen Knoblauch, Paprika, Pfeffer, gegrillten Tomaten, Öl, Salz, Essig, getunkt und dann über Kopf gegessen. 

Glück, ein anderes Wort gibt es nicht dafür! Pures Glück und Genuss! Das liegt nicht zuletzt daran, dass es laut und lustig zugeht und jeder mit jedem redet. Wir essen, trinken Wein und lachen über unsere Lätzchen, die wir zum Schutz vor Russ und Sauce tragen. Ich bin schon satt, da erfahre ich, dass die Calçots die Vorspeise sind. Das hätte ich mir denken können, habe ich aber nicht. Es gibt es noch Fleisch vom Grill, Koteletts, Würstchen. Hilfe! Diet always starts tomorrow! Ein herrlicher Tag! 

Karin und ich beschließen, dass die Salvitxada unbedingt in unser Kochbuch gehört. 

Suppen nicht nur Eintöpfe, Brühen und Breie sondern auch Saucen. In diesem Sinne haben wir heute unser erstes Rezept für unser Buch aus erster Hand kennengelernt und notiert – das der Salvitxada.

Eure Inès

Recherche- Reise zu den Suppen Andalusien Teil 1

Recherche- Reise zu den Suppen Andalusien Teil 1

Tag 1 – Südwärts

Es ist 6.15 Uhr morgens, wir fahren seit einer Stunde in der Dunkelheit. Vor uns liegen unendliche 2.777 km bis Málaga. Wir fühlen uns wie in einem großen Abenteuer. Die sonstigen Familienmitglieder sind „versorgt“ mit Skiurlaub, Klassenfahrt und Projektwoche. Es sind Ferien, und ich nutze auch einmal Zeit für mich. Und nun bin ich, nein, sind wir auf Recherchereise für unser neues Buch: „Die Suppen Andalusien“. Ines darf noch eine Stunde schlafen, während ich fahre. Dann werden wir wechseln, alle 2 bis 3 Stunden, so unser Plan. Die Streifen der Fahrbahn leuchten, und ich sitze ein wenig wie in einem Traum mit mir und der Nacht und der Autobahn. Die Sitzheizung wärmt wohlig meinen Rücken, heute Morgen war es doch ziemlich kalt. Kein Wunder, es ist in Deutschland eigentlich Winter, bei 3 Grad Nieselregen. Heute wollen wir knapp die Hälfte der Kilometer schaffen. Unser Übernachtungsziel ist Orange, eine Kleinstadt in der Provence. Den nächsten Tag werden wir in der Nähe von Barcelona halt machen. Wir sind eingeladen von Ines Freundin Loreto auf ein ganz besonderes kulinarisches Fest.

Aber Barcelona ist längst nicht unser letzter Halt. Wir wollen noch viel viel weiter, wir fahren in den tiefsten Süden, eben die 2.777 km nach Andalusien, bis M á laga und Tarifa an den südlichsten Punkt Europas, die Küste Afrikas direkt vor unseren Augen. Höhepunkt wird der 28. Februar sein, der Tag Andalusiens. Wir besuchen das Dorf El Burgo in der Sierra de las Nieves zum großen Fest der Suppe der „sopa de los Siete Ramales“.

Der Gedanke, sich einfach ein Flugzeug zu setzen, war natürlich auch da, aber nein. Wir wollen uns herantasten, wie fahrende Kaufleute früher mit ihren Pferden und Kutschen. 190 Hengste galoppieren vor uns her auf der grauen, jetzt langsam gut befahrenen A9. Es beginnt zu dämmern, sehen kann man die Sonne leider nicht, dick bewölkt ist der Himmel, es beginnt zu nieseln. Ich fahre auf der linken Spur, der Tacho zeigt 180, ich will hier weg.

Fahrerwechsel heißt bei uns nur kurz ausstrecken, zehn Kniebeugen, ein selbstgemachtes Sandwich, ein Schluck Wasser. Unser Proviantkorb ist voll. Wer die Raststätten an deutschen Autobahnen kennt, sorgt besser vor, das gilt vor allem für Leute wie mich, die kein Fleisch mehr essen. Heute heißt es Kilometer schrubben und träumen und durchhalten. Aber, wir schaffen das! Mit der Zeit wird es auch auf dem Beifahrersitz unbequem und eng. Ich rutsche von A nach B und wieder zurück, versuche die Beine mehr krumm als gerade auf das Armaturenbrett auszustrecken. Der Schlafwurm, den mir Moritz, mein Sohn, freundlicherweise ausgeliehen hat, dämpft mir den Kopf an der kalten Fensterscheibe ab. Sekundenweise nicke ich ein. Kurzschlaf ist sowieso das beste Heilmittel, das hab ich bei Japanern gelernt.
Die Suche nach einem Rastplatz mit Kaffeebar irgendwo in der Nähe von Stuttgart belohnt uns endlich mit einem köstlichen Espresso. Frische Energie nach den vielen Baustellen, die wir durchfahren mussten. Wir reden unentwegt von unseren Plänen, den ganzen Vorbereitungen und ob wohl alles so klappen wird wie geplant? Was wird uns alles an Unvorhergesehenem erwarten? Wir beschließen, daß wir uns genau jetzt in diesem Augenblick freuen sollten und zwar ganz tierisch. Freuen auf die kommenden Erlebnisse, spannenden Erkundungen und hoffentlich immerwährenden Überraschungen. Wir finden uns selbst mutig und das macht stolz. Jeder, der Alltag kennt, weiß, daß man hin und wider einmal den blassen grauen Schleier lüften muss.
Bei Besançon überqueren wir endlich die Grenze nach Frankreich. Wir sprechen nicht mehr viel, wir funktionieren einfach. Auf unserer fünften Autobahn, der A7, empfängt uns Lyon mit Starkregen in der Dunkelheit. Wir fahren seit 12 Stunden, noch 2 Stunden bis Orange. Wir machen noch einmal Rast. Wir spielen mit dem Gedanken, einfach jetzt das Hotel am Rastplatz zu nehmen, aber das würde unseren Plan zu Nichte machen. Wir schauen uns an und stellen fest, wir haben noch Reserven. Wir fahren weiter.
Orange ist eine kleine Stadt im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Es soll hier ein beeindruckendes Theater aus der Römerzeit geben, das zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Aber für uns ist es heute zu spät. Unser kleines Hotel liegt direkt neben der Autobahn. Wir schaffen noch einzuchecken und fallen wie nasse Säcke in die Betten. Ein Funke bleibt für meinen Traum vom Süden. Als ich aus dem Auto stieg, war die Luft sanft und warm, Zypressen und Pinien säumten den Hof. Hab ich Vögel zwitschern gehört? Ja, wir sind in Südfrankreich. Die Leichtigkeit der Mittelmeerregion trennt uns nun von der Kälte des Nordens. Träumt alle schön heute Nacht …

Eure Karin

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