Wie du einen perfekten Freundinnentag gestaltest

  • mal ganz anders

 

Ich kann heute nicht mehr stehen. Nicht mehr reden. Und bin müde.

Aber unendlich glücklich. Was für ein gelungener Tag!

Und dabei habe ich heute– es ist Sonntag – nicht faul in der Sonne gelegen. War in keinem Wellnesstempel. War nicht mit der Familie bei Muttern zum Sonntagsbraten, weder wandern, noch habe ich etwas unternommen, was ich sonst so sonntags mache.

Was ich getrieben habe? Ich habe den Tag mit meiner Freundin auf dem Flohmarkt verbracht. Nein, nicht zum Schlendern. Wir haben verkauft!!!

Das Versprechen

Im Februar haben S. und ich beschlossen, unsere Keller und Wohnungen auszumisten und am ersten Sonntag im März auf den Flohmarkt zu gehen. (Einer der schönsten Flohmärkte unserer Stadt findet immer am ersten Sonntag im Monat statt.)

Im März hat es leider nicht geklappt. Ich musste kurzfristig als Fahrer für eine Horde Jungs für ein unglaublich wichtiges Fußballspiel einspringen… dass dann verloren wurde.

Im April hatte meine Freundin am ersten Sonntag Geburtstag.

Im Mai heiratete eine Cousine.

Im Juni hatten wir eine Ausrede.

Am ersten Julisonntag waren bereits Ferien.

Einige Kisten hatte ich allerdings schon gepackt, S. auch. Und diese standen in den verschiedenen Wohnungen im Flur und damit im Weg. So versprachen wir uns hoch und heilig: Am ersten Augustwochenende ist es soweit. Kurz vor Schulbeginn.

Das Wetter versprach angenehme 27 Grad. Wir würden weder zu viel schwitzen noch frieren. Perfekt für einen Flohmarkttag.

 

Die Vorbereitung

Auch eine Einladung zu einem Grillabend am Vorabend des ersten Sonntages im August sollte uns dieses Mal nicht stoppen. Wir waren bereit, um sechs Uhr morgens aufzustehen und loszulegen.

Wir packten munter Kisten, jeder für sich, besorgten einen Tapeziertisch, fragten einen Freund nach seinem Transporter.

Die Kinder machten mit und räumten aus, was sie verkaufen wollten. Wir waren perfekt vorbereitet. Bis drei Tage vorher: Unser Freund musste uns den Transporter absagen. Adieu Stühle verkaufen, Kronleuchter der Oma, Staffelei und anderes sperriges Zeug, das in der Wohnung nur belastet oder im Keller sein Dasein fristet.

Oder doch nicht? Eine andere Freundin – nennen wir sie T. – meinte, sie könne bei der Hitze eh nicht schlafen und würde morgens um sieben gerne  auf der Matte stehen und mit ihrem Auto die Stühle und die Staffelei und Kleinkram transportieren. Den Kronleuchter nicht. Das sei ein Erbe, das verkaufe man nicht.

Mmmh…. Anscheinend spürte sie, dass ich mir auch nicht so ganz sicher war, den Leuchter zu verkaufen, den wir vor ungefähr zwölf Jahren in den Keller verbannt hatten.

Der Grillabend war ein voller Erfolg. Die Sommernacht lau. Aus dem festen gegenseitigen Versprechen heraus, um zehn zu gehen wurde ein geschmeidiges: So jung kommen wir nicht mehr zusammen. Um Mitternacht im Bett sein, reicht auch.

Auch das verpassten wir knapp.

 

Der eigentliche Freundinnentag

Was wir nicht verpasst haben, war das Einladen morgens um sieben.

Der Flohmarkt begann um acht.

Die Profikäufer waren schon früh unterwegs und bevor wir die Kisten aus- und den Stand aufgebaut hatten, war schon einiges an Technik weg (Kabel, Stecker, etc.). Zum Glück hatten wir einen technikaffinen Jugendlichen dabei, der dafür sorgte, dass wir nicht über den Tisch gezogen wurden.

Endlich um halb neun hatten wir fertig aufgebaut. Der Tapeziertisch hatte bei weitem nicht gereicht. Aber das Technikkind erwies sich als sehr erfinderisch und hatte vom nahegelegenen Supermarkt zwei Einkaufswagen geholt, in denen wir die Kindersachen legten…..und alle halbe Stunde wieder ordneten….(Stichwort: Wühltisch = bei uns Wühlwagen)

Unser mitgebrachter Kaffee war um 9 Uhr ausgetrunken. Und sechs Stunden lagen noch vor uns.Die vergingen wie im Fluge. Eigentlich wollte ich einen Spiegel verkaufen. Doch der diente uns schnell als Probierspiegel. Wir hielten ihn hoch, berieten die potentiellen Käufer. Die Besucher konnten die Kleidung anprobieren, drehten und wendeten sich vor dem Spiegel und kauften meist. Und zogen andere Besucher an.

Was mich besonders erstaunte, war, dass unsere Artikel von Menschen erstöbert, gesehen und gekauft wurden, die dafür wie gemacht schienen. Es ist unglaublich: Auf Sachen stehen Namen. Und meist erkennst du schon, für welchen Menschen dein Artikel passt.

So ging die Kindergitarre an einen Musikrestaurator im Rollstuhl, die grüne Jacke mit zwei Knopfreihen an ein entzückendes Mädchen, mein Hula Hoop Reifen für die schlanke Taille an eine Cheerleaderin, die mir zeigte, was so ein Hula Hoop Reifen eigentlich so alles kann (eine schlanke Taille nicht).

Wir unterhielten uns mit den Menschen, erfuhren ihre Geschichten, verkauften oder auch nicht. Wir „arbeiteten“ Hand in Hand, setzten uns abwechselnd erschöpft auf den einen Stuhl. Wir waren stolz auf uns, wir lachten viel, dekorierten immer wieder um und hatten unglaublichen Spaß. Und kaum Verschnaufpause.

Es muss ein ungeschriebenes Flohmarktgesetz geben: Entweder es steht niemand am Stand oder ganz viele – vor allem dann, wenn du gerade mal um die Ecke gehen willst.

 

Fazit

Wir haben natürlich nicht alles verkauft bekommen. Aber erstaunlich viel.

Das Abbauen und Ausräumen ging leicht von der Hand und das Versprechen: „das machen wir bald wieder“, kam uns leicht über die Lippen. Immerhin sind ein Teil der Kisten fürs nächste Mal schon gepackt.

Es war ein grandioser Tag, der uns in das Leben von andern blicken ließ und uns definitiv reicher gemacht hat  – an Geschichten und natürlich Barem.

Zu guter Letzt:

Ich glaube, ich werde den Kronleuchter im Internet anbieten. Es wäre doch schön, wenn er wieder in einer Wohnung oder einem Haus an der Decke hängen ein Zimmer beleuchten würde.
Auf dem Kronleuchter steht auch bestimmt ein Name…

Zu guter Allerletzt:

Wenn du auch schon lange vorhast, auf dem Flohmarkt zu verkaufen, hier sind

6 Regeln für perfektes Verkaufen auf dem Flohmarkt:

 

1) Kleingeld besorgen
Entweder du sammelst 1, 2 Euro Münzen und keine Scheine vorher oder du besorgst sie dir bei der Bank. Wechselgeld brauchst du unbedingt!

2) Bau deinen Stand von unten nach oben auf
Auf den Tisch legst und dekorierst du Artikel, die die Besucher anziehen sollen – was Buntes, Farbiges, Wertiges.

Unten oder neben dem Stand sollten deine Ramschkisten stehen. Besucher lieben es zu wühlen und ein Schnäppchen zu finden und werden oft dort fündig.

3) Nimm immer Beutel mit

Biete deinen Kunden für die gekaufte Ware Beutel an. Und wenn du Geschirr verkaufst, nimm Zeitungspapier zum Einpacken mit. Kleinigkeiten und Service beleben das GeschäftJ

4) Immer schön freundlich bleiben! 

Egal, ob Leute Witze über dein Angebot machen oder blöde Bemerkungen.

Erklär Ihnen die Geschichte hinter deinen „Produkten“. Du bist kein Profi im Verkauf. Und stehst nicht jedes Wochenende auf dem Flohmarkt. Aber dafür hast du vielleicht Überraschendes im „Sortiment“.

5) Die frühen und die späten Kunden

Ganz früh kommen die Profis und wollen bei dir Schnäppchen machen. Gerade bei Ihnen musst du gut verhandeln können.

In denn ersten beiden Stunden kommen meist die, die noch ein Schnäppchen machen wollen, aber sich vorher einen Überblick verschafft haben.

Und gegen Ende die, die wissen, dass du deine Sachen – falls möglich – nicht mehr mit nach Hause schleppen willst und du bereit bist, sie für günstiger  abzugeben

6) Keine Angst vor dem Feilschen!

Besucher lieben es zu feilschen. Kalkuliere es in deinen Preis ein! Merke dir die einfallsreichen Sätze, mit denen deine Käufer den Preis senken wollen und mach was draus.

Wenn Käufer mehr als eine Sache kaufen, fragen sie immer nach Rabatt!

Es gibt allerdings auch Grenzen des guten Geschmacks: Wenn jemand bei einem 1 Euro Artikel noch feilschen will und dieser ist in tadellosem Zustand, lass den Menschen ohne deinen Artikel weiterziehen.

 

So, nun kann ich nicht mehr stehen, nicht mehr reden und auch nicht mehr schreiben.

Inès

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